Garufallia Merikis

23.01.1941 - 29.01.2010

Greek

Im Gedenken an meine Schwester

Brief an meine Schwester

Liebe Schwester

Verzeihe mir dass ich nicht besser auf dich aufgepasst habe, dir nicht geholfen und dich beschützt habe wie ich es gerne gewollt hätte.

Ich habe so gehandelt wie du es mir sagtest  - „Tu so als ob du nichts verstehst, nichts sehen und nichts hören und halte den Mund bis ich wieder auf die Beine komme und du mich nach Griechenland bringst“. So wie du es dir immer gewünscht hattest. Leider ist alles anders gekommen und du hast uns für immer verlassen.

Ich kann immer noch nicht verstehen was da alles passiert ist, während du um dein Leben kämpftest. Ich dachte immer so was kommt nur in schlechten Filmen vor. Du warst immer da wenn jemand Hilfe brauchte und als DU Hilfe brauchtest bist du von deiner eigenen Familie im Stich gelassen worden. Das Beste wäre für dich nur gut genug gewesen, und das war bestimmt nicht die Uni-Klinik Köln mit Massenabfertigung und hygienischen Zuständen wie in der dritten Welt. Die haben nicht einmal darüber nachgedacht, dich doch wo anders hin zu bringen, als du immer mehr Probleme nach der Operation hattest.(Blut-Sepsis-Schweine-Grippe)

Statt dich dann in eine richtige Reha-Klinik zu bringen, nachdem du das alles wie durch ein Wunder überlebt hast, haben sie dich in eine Neurologische Klinik nach Bonn gebracht. Alles was für die bequem und billig war ist gemacht worden. Habgier und Neid hat ihr Handeln bestimmt. Selbst dich zu entmündigen als du dich nicht dagegen wehren konntest waren die sich nicht zu schade. Die Angst etwas von deinen Vermögen zu verlieren war größer als die Sorge um Dich.

Verantwortlich für alles was passiert ist, ist dein Ehemann, der sich ein Leben lang hinter dir versteckt hatte. Als er Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen musste, versteckte er sich hinter deinen Töchtern, die er mit Lügen vergiftete.

Als du den Kampf um dein Leben verloren hattest, wäre es eigentlich selbstverständlich gewesen, dass du deine letzte Ruhe in unserer Heimat, bei Vater und Mutter finden hättest dürfen - wie du es dir gewünscht hast. Das war denen jedoch zu umständlich und zu teuer. Deine Wünsche waren überhaupt nicht wichtig. Mit Unwahrheiten und Lügen wurde auch Kostas Versicherung gegen deinen Wunsch einer anderen Bestimmung zugeführt.

Liebste Schwester, du bist enttäuscht und verbittert von uns gegangen, selbst einen würdevollen Tod im Wissen um das nahende Ende haben die dir verwehrt. Ich möchte glauben du hast jetzt deine Ruhe und Frieden gefunden. Denke immer daran - jeder bekommt was er gegeben hat. Du wirst im Himmel all das bekommen was du verdient hast.

Grüsse mir, Vater, Mutter, Bruder und den kleinen Kosta. Sag ihnen es dauert nicht mehr lange und wir sind alle wieder zusammen wie in guten alten Zeiten.

Dein Bruderherz